Geschichte der Freilichtbühne am Schwanenteich

Die vor 50 Jahren am 23. August 1957 eingeweihte Freilichtbühne am Schwanenteich verdankt ihre Existenz einem Vorschlag des damaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten der DDR und 1. Sekretär des ZK der SED, Walter Ulbricht.

Ulbricht weilte am 8. Oktober 1954 zu einem Kurzbesuch in Zwickau.

Im Mittelpunkt standen die Ergebnisse und Vorhaben im Nationalen Aufbauwerk, heute noch bekannt als NAW. In einer Aussprache mit Stadtverordneten stellte er die Frage: „Gibt es in Zwickau einen Kulturpark?" Als diese verneint wurde, stellte er fest, dass eine Stadt wie Zwickau eine solche Einrichtung benötige und umriss auf einem Stadtplan gleich das aus seiner Sicht günstigste Areal, nämlich vom Schwanenteich bis zum Reichsbahngleis an der Planitzer Straße Nähe Reuterweg. Einwände ließ er nicht gelten. Die dort vorhandenen Betriebsgelände würden die Gegend nur verschandeln und sollten weichen.

Daraufhin begann der Rat der Stadt unmittelbar nach dem Ulbricht-Besuch mit den erforderlichen Planungsarbeiten. Sehr schnell stellte sich heraus, dass ein solches Vorhaben nur über einen längeren Zeitraum zu realisieren war. Man entschied sich dafür, das Projekt „Kulturpark" in mehrere Bauabschnitte zu untergliedern.

Die Erweiterung des Parkgeländes Richtung Süden war abhängig vom Ankauf von Privatgrundstücken und von der Einstellung des Steinkohlenbergbaus, die nicht vor den 1970er Jahren erfolgen sollte. Denn das Industriebahngleis zerschnitt das zukünftige Kulturparkgelände. Deshalb entschied man sich zunächst für den Bau einer Freilichtbühne an der Südwestecke des bisherigen Parkgeländes hin zur Parkstraße.

Die Standortwahl wurde damit begründet, dass hier der Grundwasserspiegel verhältnismäßig niedrig wäre, für den Bau nur ein unwesentlicher Eingriff in den vorhandenen Baumbestand notwendig wäre und die Abschirmung zur Parkstraße und Bahnlinie durch Baumpflanzungen erfolgen könnte.

Die Architektur sollte schlicht und einfach sein. Man entschied sich für einen Arkadenbau, wodurch eine„leichte und heitere Note" erzeugt werden sollte.

„Der gesamte kurvenförmige Aufbau der Freilichtbühne erstreckt sich auch auf die Hochbauten des Kassen- u. Bühnengebäudes, des weiteren auch auf den Vorplatz an der Parkstraße und ergibt somit eine gute Einbindung in die vorhandene Landschaft und Grünraum der Schwanenteichanlagen." ( Stadt A: R3/5283, Bl. 103)

Die Anlage in Gestalt eines Amphitheaters sollte 4000 Sitzplätze umfassen. An der Parkstraße war das Kassengebäude mit einem Arkadengang vorgesehen. Im Untergeschoss sollten Trafostation, Niederspannungsschaltraum, Polizei- und Sanitätsraum sowie Geräteräume untergebracht werden. Das Bühnengebäude sollte ebenfalls in Gestalt von Arkaden errichtet werden. Hier sollten Garderoben, Regieraum, Geräte- und Abstellräume eingebaut werden.

Als Hauptproblem beim Bau der Freilichtbühne stellte sich die Finanzierung heraus.

Man hoffte vergeblich auf Gelder von der Regierung. Vielmehr war der städtische Haushalt gefordert.

Um die Kosten niedrig zu halten, erfolgten viele Arbeiten im NAW. Das bezog sich zunächst auf die Projektierung, die vom ehemaligen Stadtbaudirektor Busse ausgeführt wurde. Aber auch die Erdarbeiten und das Ziegelputzen erfolgten zum großen Teil durch freiwillige Aufbaustunden. Für die Gebäude wurden Ziegel aus Abbruchgebäuden des Wilhelmschachtes in Oberhohndorf verwendet. Das Zwickauer Steinzeugwerk stellte die erforderlichen Steinzeugrohre in Sondereinsätzen im Rahmen des NAW her und berechnete lediglich den Selbstkostenpreis. Die Verlegung der Schleusenanlage und die Installation der Sanitäranlagen übernahmen die Wasserwerke und der VEB Installationsbetrieb, ebenfalls teilweise im NAW. Für die notwendigen Aufbaustunden hatten Betriebe, Behörden und Schulen entsprechende Verpflichtungen abzugeben.

So gelang es, die Freilichtbühne innerhalb eines Jahres leidlich fertig zustellen und zum Pressefest der Freien Presse 1957 mit der Aufführung der Johann-Strauß-Operette „Der Zigeunerbaron" einzuweihen.

Die Baukosten beliefen sich auf 750 000 DM. Die NAW-Leistungen betrugen 120 000 DM bei 68 000 geleisteten Aufbaustunden.

Trotz der glanzvollen Eröffnung begleitete die nächsten Jahre das kleine Team der Freilichtbühne, bestehend aus einem Leiter, einem Bühnen- und Technikmeister, einer Verwaltungskraft, einem Wächter sowie einer Reinigungskraft und einem Bühnenarbeiter als Saisonkräfte, das später noch reduziert und dem Lindenhof angeschlossen wurde, noch eine Reihe von Problemen.

Zunächst fehlte für die Freilichtbühne eine eigene Beschallungsanlage. Da die finanziellen Mittel für die Anschaffung fehlten, arbeitete man mit einer geliehenen, die aber nicht den Anforderungen entsprach und hohe Mietkosten verursachte. Ebenso war es der Stadt aus Kostengründen auf längere Sicht nicht möglich, eine eigene Kinoanlage zu installieren.

Aus diesen Unzulänglichkeiten der Freilichtbühne ergaben sich enorme Einnahmeverluste, die durch ungünstige Witterung oft noch verstärkt wurden.

Jedes Jahr waren vor Saisonbeginn aufwendige Reparaturarbeiten notwendig, die zum großen Teil auf Vandalismus zurückzuführen waren.

Dennoch steht die Freilichtbühne in der Erinnerung der Zwickauer Bürger für viele kulturelle Höhepunkte wie die Pressefeste und die Sommerfilmnächte. Für viele waren die Übertragungen von Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft im letzten Sommer sicher unvergesslich.

Erarbeitet anhand von Materialien des Stadtarchivs Zwickau